Eine Gegendarstellung

Was gibt's nach einem so ausführlichen Reiseprotokoll noch zu sagen, so wird sich ein mancher fragen. Der Rhythmus dieses Reims stimmt nicht ganz, ich weiss, auch der Reim selber ist nicht gerade erster Güte...aber wenn sich schon mal ungeplant Pösie in einen Text einschleicht, soll man dankbar das Wenige annehmen, das gilt ganz besonders für meine Texte. Wie schon erwähnt, habe ich den Jürg am Freitag Abend bei der Familie Zeugin in Malans getroffen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Jürg bereits die locations abgecheckt und uns eine, was sage ich, ein halbes Duzend Schlafmöglichkeiten organisiert. Nachdem wir die Bewerbungsdossiers geprüft haben, wurde die Joosche Kandidatur bevorzugt, vor allem aufgrund der örtlichen Nähe aller Stätten, die an diesem Abend noch hätten werden besucht sollen....eh.....werden müssen. Vor der ersten Wanderung stand also eine kleine Besichtigung mit anschliessendem Ausgang in Chur auf dem Programm. Nachdem ich mein Nachtessen in Form von Bier und eine anschliessende kleine Existenzkrise hinter mir hatte, wurden wir auch schon der scheinbar bedeutendsten Churer Sehenswürdigkeit gewahr (prosamässig vielleicht etwas übers Ziel hinaus), von der an jenem Abend schon mehrere Male die Rede war: Nadine Vinzent, oder Vinzenz oder so ähnlich...oder viel mehr ihr Rücken, also ein wahrhaftiger Star, Beruf: Ex Miss. Von Freitag auf Samstag nächtigten Jürg, Paul und ich, wie bereits erwähnt, bei Sabina. Am nächsten Morgen haben wir die Core am Bahnhof in Landquart abgeholt. Nach unserer Ankunft in Zernez am Samstag Morgen und einer kurzen Planung der Route, ging es auch schon los. Wir haben uns für den Aufstieg zu den Macunseen entschieden, der nach den Angaben des Herrn Logue zwischen 2-3 Stunden hätte dauern sollen. Schon kurz nach dem Losmarschieren wurden Core und ich von der Gruppe abgesprengt und wir mussten die ersten 2 Stunden von der Wasserversorgung getrennt marschieren. Das ging natürlich an die Substanz. Nach einer Pause und wieder vereint wurde uns das Ausmass des Aufstiegs und die fatalen Konsequenzen von Jürgs Irrtum bewusst...beim Wegweiser "Macun 3 h". Natürlich blieben wir innerlich ruhig, aber ein Blick in Core's Gesicht genügte um einen Anflug von Raserei und den Wunsch, den Jürg zu erdrosseln, zu erkennen. Während den nächsten 3 Stunden hatten wir die Möglichkeit die Landschaft und die von ihr beherbergten Tiere zu beobachten, wir sahen Dolen, beobachteten den Schmetterlingszug und Sabina entdeckte sogar eine sich stundenlang nicht bewegende Gämse...wohl eine Art Sommerstarre...oder Agonie...oder die Selbstinszenierung einer sehr eitlen und selbstgefälligen Gämse, wer weiss das schon...vielleicht ein Verhaltensbiologe. Auf dem Gipfel gönnte uns unser Führer die verdiente Pause, und so hatten wir Zeit das wunderbare Panorama und die Aussicht auf die Macunseen zu geniessen...einfach fantastisch! Von da an ging's nur noch bergab. An den Ufern eines dieser Seen, in wunderschöner Umgebung, verpflegten wir uns, beobachteten Murmeltiere, genossen die Sonne und beobachteten ein Wandererpärchen, welches wohl, hätten wir nicht in nächster Nähe gegessen, in gröbster Unzucht über sich hergefallen wäre...eh....ganz bestimmt. Der anschliessende, überstürzte Abstieg sollte durch die dadurch verursachten Muskelprobleme noch viele negative Konsequenzen für mich haben, wie z.B. das Ausfallen des Volleyspielens am Montag und die Verschiebung des Fussball Trainings auf den Donnerstag, nicht zur Freude unseres Sunbird. Unten in Lavin angekommen, erwischten wir gerade noch den Zug - wie schon erwähnt, alle ohne ein Billet gelöst zu haben. Mit viel Herzklopfen und dank einem sehr sympathischen Zugbegleiter, den ICH zuerst entdeckt habe, haben wir (und ganz besonders ich) diese Fahrt ohne eine Busse überstanden. Wieder in Zernez passierte dann diese Geschichte mit dem Duschen. Jürg hat uns also zu dieser illegalen Handlung angestiftet, sprich, zum Einbruch in dieses Hotel. Hattu gut gemacht, Küde! Unser Nachtlager erreichten wir etwa um 9 Uhr. Nach dieser wiederum illegalen Landnahme, bei der wir verdächtiger nicht hätten vorgehen können, konnten wir endlich unsere... unser Zelt aufstellen. Jawohl, mein Zelt hatte keine Zeltstangen... und Heringe... und es war sehr alt. Meine Mutter hat sich natürlich geweigert, die Schuld für diesen Lapsus auf sich zu nehmen und aus ihrem "Ja, das ist das Neue, da ist alles drin, es ist auch alles gewaschen" von vor dem Ausflug wurde inzwischen ein "Was weiss ich, wo diese Zelte sind, damit habe ich nichts zu tun, musst halt den Martin (mein Bruder) fragen" nach dem Ausflug geworden. Immerhin hat es uns allen eine denkwürdige Nacht verschafft, ausser dem Jürg, der hat gut eingehüllt in seinem Zelt geschlafen. Bevor wir uns aber hinlegten, stand ein Abendessen und viel Bier auf dem Tagesbefehl. Witze Dann kam diese Runde. Der Kontest um die Wahl des schlechtesten Witzerzählers hat eindeutig Sabina gewonnen. Ich hatte ja nur zwei erzählt. Vom ersten wusste ich, dass der meist nicht schlecht ankommt und ich damit auf der sicheren Seite stehe. Mit dem Zweiten falle ich regelmässig durch (Matsens zwoa-vous-Witz), diesmal waren die Reaktionen allerdings schon beinahe feindselig (ausser bei Paul, er hat den Sternenhimmel nach Sternschnuppen abgesucht)...und das bei diesen Promillen. Nach einer frischen Nacht und einem guten Frühstück nahmen wir per Auto die Strecke zur nächsten Wanderung unter die Räder. Diese kurze Wanderung war dann einfach atemberaubend (man beachte die Fotos). Jürg hat dazu schon gesagt, was es zu sagen gibt. Am Abend hiess es Abschied nehmen vom Nationalpark. Und bevor wir definitiv nach Zürich, Luzern und Bern abreisten, durften wir uns nochmals bei der Familie Joos bewirten lassen... und natürlich wurden wir wiederum mit Gastfreundschaft überschüttet.

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