Ferien in St. Stefan

Am Mittag des 15. August 2003 war es endlich soweit. Die ersten gemeinsamen Red Queens Ferien in der Nachdiplomzeit nahmen ihren Anfang. Von all den Eingeladenen und Extra-Eingeladenen nahmen am Schluss leider nur Chregi, Fäbu und ich teil. Bevor es endgültig losgehen konnte, musste aber erst einmal eingekauft werden. Es ist nicht einfach, für Vegetarier und Normal-Esser zugleich einzukaufen, aber Berge von Lachs, Honig, teuren Jogis und Müesli später hatten wir es doch geschafft. Am späteren Nachmittag erreichten wir unser Domizil in St. Stephan und richteten uns provisorisch ein. Der Tatendrang hielt uns allerdings nicht lange in den vier Wänden, wir fuhren noch rasch zu einem Abendspaziergang in den Chatzenstalden, wo wir erste schöne Vogelbeobachtungen (u.a. Steinadler und extrem viele Misteldrosseln) machen konnten. Wegen der fortgeschrittenen Stunde verschoben wir das Grillieren (am einzigen regenfreien Abend) und labten uns an Spaghetti Tonno. Das Abendunterhaltungsprogramm gestaltete sich zu Beginn mit Weltklasse Zürich nur bedingt nach unserem Geschmack, aber spätestens nachdem Blanka Vlasic und Vita Palamar auf den grossartigen 2. Platz gesprungen waren, griff die Begeisterung um sich. Fäbu konnte sich gar nicht satt sehen, während Chregi die Trauer über seine verpassten Chancen mit einer sportlichen Biologin allmählich zu vergessen schien. Am Samstag morgen krochen wir relativ zeitig (extrem früh für Chregi) aus den Federn. Wir hatten uns die Erklimmung des Wistätthores zum Ziel gesetzt. Erneut starteten wir im Chatzenstalden. Die ersten 100 m kamen wir sehr gut voran, aber dann verzögerte sich der Weitermarsch durch das Fotografieren von Spinnen und Heuschrecken (u. a. Warzenbeisser) und die Beobachtung von verschiedenen Piepmatzen ganz erheblich. Die erfolglose Suche nach einem geheimnisvollen Specht in einem borkenkäferbefallenen Wäldchen kostete nochmals Zeit, mehr davon aber später. Etwas weiter oben verzehrten wir im Schatten einiger Felsen das karge Mittagessen. Entgegen den wechselhaften Wetterprognosen war es ziemlich heiss. Eine Gämse und ein paar Hänflinge später erklommen wir endlich über eine steile Flanke den Gipfel, wo sich Chregi vor allem durch kindisches Verhalten hervortat und als Strafe dafür prompt im Ziegenmist landete. Wir genossen die Aussicht auf die übervölkerten benachbarten Gipfel. Die einzige Konkurrentin auf das Wistätthore (Sabine Klopp) hatte den Gipfel schon wieder verlassen und nach ein paar begehrenden Blicken (auf mein Swarowski oder Fäbus Jogger-Waden, wer weiss das schon so genau) das Weite gesucht. Der Gipfel war erreicht, aber die Höhepunkte begannen erst: zwei Steinadler segelten knapp 20 Meter über unsere Köpfe hinweg, wir sahen sie während des Abstiegs noch ein paar mal. Ein Wanderfalke strich über den Grat, Turmfalken und Sperber jagten allenthalben. Beim Abstieg flog ein Birkhahn gleich neben dem Weg auf. Ermutigt durch die Beobachtungen beschlossen wir, nochmals nach dem ominösen Specht zu Suchen, denn reifliche Überlegungen hatten zum Schluss geführt, dass es sich nur um einen Dreizehenspecht handeln konnte. Nach kurzem Warten zeigtet er sich denn auch, aber nicht alleine. Zu dritt suchten sie nach Nahrung und tanzten schliesslich an einem Baum Ringelreihe. Ein Gewitter trieb uns zurück zum Auto; es erreichte uns erst 50 m vor dem schützenden Dach und durchnässte uns trotzdem bis auf die Haut. Der Regen war allerdings von kurzer Dauer, wir genossen schon bald gegrillte Würstchen und Fisch.

Am Sonntag morgen trieb uns die Gier nach möglichen Publikationen nach dem Frühstück noch einmal zu dem Specht-Wäldchen. Doch diesmal hatten wir weniger Glück, der Dreizehenspecht zeigte sich nur ganz kurz, und ein Schwarzspecht rief zwar in der Nähe, blieb aber verborgen. Wir gaben schliesslich auf und stärkten uns in der Hütte mit einem kräftigen Pilzrisotto, das unweigerlich einen ausgedehnten Mittagsschlaf verlangte. Erst gegen Abend konnten wir uns nochmals zu einem kleinen Spaziergang aufraffen, und zwar zwischen Flösch- und Wiestätthorn. Wir wurden Zeugen eines verfrühten (Jahreszeit) resp. verspäteten (Tageszeit) Greifenzugspektakels: Turmfalken en Masse, Mäusebussarde, eine Rohrweihe und einmal mehr Steinadler. Auch Gämsen liessen sich in grosser Zahl beobachten. Aber wir waren halt doch etwas spät dran und mussten bald umkehren. Schliesslich wollten wir noch einmal grillieren. Das Wetter spielte zwar nicht so recht mit, aber die Würstchen störte das wenig. Outbreak rundete den Tag ab und erfreute uns mit ein paar ungewollt komischen Szenen.

Am Montag Morgen musste das ganze Haus von unten bis oben blitzblank geputzt werden. Vorerst verputzten wir aber frische Gipfeli. Besonders motiviert schien niemand, aber am Schluss war doch alles einigermassen erledigt. Ermutigt durch den Greifenzug vom Vorabend wollten wir noch rasch auf das Hahnenmoos, um noch etwas mehr Spektakel zu sehen. Doch der Himmel bedeckte sich zusehends, und wir taten gut daran, uns nicht zu weit vom Auto weg zu bewegen. Verregnet wurden wir trotzdem. Mit Greifenzug war natürlich auch nichts mehr. So verabschiedeten wir uns vom Simmental und traten endgültig die Heimreise an.

Fazit der gemeinsamen Tage: 40 Arten mit ein paar echten Highlights, ein gewecktes Interesse für Leichtathletik (na ja, auf jeden fall für Frauen-Hochsprung) und die Erkenntnis, dass Fäbu Salat auch durch die Nase essen kann. Wer nicht mitgekommen ist, ist selber schuld.

Euer Flo Sunbird

Hierzu noch einige Anmerkungen des Fotografen:

Wie Flos Bericht besagt, waren wir tatsächlich einige Stunden draussen und machten höchst interessante Entdeckungen wie z.B. diesen immensen Gaguhaufen (Bild 1) oder beobachteten nette Vögelchen mit unserer tollen Optik (Bild 2). Diesen Bluthänfling (Bild 3) konnte ich dann auch gleich durchs Fernrohr hindurch ablichten. Und auch um ein schönes Gipfelfoto (Bild 4) waren wir uns nicht zu schade. Schliesslich lehrte uns Chregi, dass es nicht immer ratsam ist, aus dem klaren Quell der Bergbäche zu trinken (Bild 5).